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Blutsaugende Fledermäuse

Fledermäuse, Symbol für Teufel und Vampire.

Sie lieben die Dunkelheit, gelten als ruhelose Seelen und Todesorakel. Seit Menschengedenken erscheint uns das Böse in Gestalt von Tieren wie Eulen, Wölfe oder Fledermäusen.

Behaart wie eine Ratte, Flügel wie ein Vogel und Zähne wie ein Raubtier. Fledermäuse waren schon den Menschen der Antike suspekt. Beharrlich hält sich der Mythos des Blutsaugers in den Köpfen. Dank dieser Gruselgeschichten ernten Fledermäuse nur selten etwas Sympathie.

 

Fledermäuse auf La Palma.

Die endemische Fledermaus „Pipistrellus maderesis“ (Madeira-Fledermaus) gibt es nur auf Madeira und den westlichen Inseln La Palma, La Gomera und El Hierro. Sie gilt als das einzige heimische Säugetier der Insel, denn alle anderen wurden durch Menschen eingeschleppt.

Sie kann sich nicht unsichtbar machen, fällt keine Menschen oder Kühe an um ihnen bei dunkler Nacht das Blut aus der Kehle zu saugen. Die kleine, nur 4 bis 6 cm große Madeira-Fledermaus aus der Gattung der Zwergfledermäuse hat ihren schlechten Ruf zu Unrecht.

Die Fledermaus ernährt sich von Insekten, die sie bei ihren nächtlichen Streifzügen meist im Flug erbeutet.

In ländlichen Gebieten der Insel kann man sie manchmal dabei beobachten, wie sie an leicht erleuchteten Stellen, Nachtfalter und Mücken erbeuten, die um Straßenlaternen schwirren. Licht, welches Fliegen anzieht, benötigen die Nachtjäger allerdings nicht. Wenn sie bei Einbruch der Dunkelheit mit der Jagt beginnen, orientieren sich Fledermäuse per Ultraschall- und Echolotsystem. Dabei bewegen sie sich so Zielsicher, dass jede Fledermaus bis zur Hälfte ihres Körpergewichts an Insekten frisst.

 

Die Fledermaus als Umweltpolizei.

Madeira-Fledermäuse sind wichtig für das Gleichgewicht des natürlichen Ökosystem der Isla bonita. Als verbündete der Landwirtschaft kämpfen die erfolgreichen Jäger gegen Insekten und Mückenplagen. Wo Fledermäuse leben, sagt man, ist die Natur noch im Gleichgewicht.

Dennoch ist gerade die Landwirtschaft der größte Feind dieser Fledermäuse, weil Insektenvernichtungsmitteln Nahrung rauben und stetiger Verlust an Rückzugsgebieten den Standort treuen Tieren das Leben schwer machen.

 

Lebensraum und Schlafstätte.

Auf La Palma finden wir die Fledermaus auf Meereshöhe bis auf 2.000 Meter Höhe. Sie leben in offenem Gelände des Lorbeer und Kieferwald, hängen an Bäumen, in Felsspalten und Vulkantuben. Dort verbringen die braunen Tiere mit schwarzen Ohren und Flughäuten den Tag mit Schlafen. Erst bei Einbruch der Dunkelheit starten sie ihre Insektenjagd.

Naturschauspiel.

Sollten Sie die Madeira-Fledermaus vor ihrem Haus kreisen sehen, verrammeln sie nicht Fenster und Türen. Der angebliche Blutsauger verwandelt sich nicht, ist weder Todesorakel noch Vampir. Genießen sie die Flugkünstler bei der Arbeit, es lohnt sich.

Über Graja (1991 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma.info/autoren-impressum/

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