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Das Essen sticht

Fluch und Segen eines Kaktus.

Im 19. Jahrhundert verdienten sich viele Menschen auf La Palma ihr täglich Brot mit Seidenspinnerei. Dazu wurden selbstverständlich auch Farbstoffe benötigt, die der edlen Seide den rechten Glanz verliehen. Rot war besonders beliebt, man nutzte dazu Karmin. Ein Farbstoff, auch Cochenelle genannt, der aus dem Blut einer kleinen Laus gewonnen wird.

Viel Farbe, noch mehr Läuse.
Zur Gewinnung des Farbstoffes werden Läuse getrocknet und danach mit Schwefelsäure in Wasser ausgekocht. Mehr als 100.000 weibliche Schildläuse werden für nur ein Kilogramm dieser roten Farbe benötigt.

Obwohl Karmin (E-120) beim Einatmen als Aeroallergen Asthma auslösen kann, was man damals noch nicht wusste, suchte man nach Wegen um eine intensive Zucht an Cochenillenläusen aufzubauen.
Damit schlug die Stunde für den Feigenkaktus.

 

Opuntien auf La Palma

1825 soll die erste Versuchspflanzung der aus Mexico stammenden Opuntien zur Cochenillenzucht auf La Palma gestartet haben. Die damals begehrten Feigenkakteen fanden ideale Bedingungen und sind bis heute nicht mehr aus unserem Landschaftsbild wegzudenken.

Obwohl die Pflanze heute nur noch selten zur Lauszucht verwendet wird, breitet sie sich ungebremst aus. Starker Wind, heiße Sonne oder Wassermangel können Opuntien nicht stoppen. Der genügsame Feigenkaktus, hier nennt man ihn tunera, kann bis zu 10 Meter hoch werden und beginnt im Frühjahr, meist nach Regenfällen zu treiben.

Samen von Opuntien, sie bleiben bis zu 15 Jahren keimfähig, werden von Vögeln und Eidechsen gefressen und mit ihren Ausscheidungen über die ganze Insel verbreitet.

Im Sommer zieren wunderschöne, rote bis gelbe Blütenblätter den Kaktus und wandeln sich langsam zu einer Frucht, die ab September reif ist und geerntet werden kann.

 

Kaktusfeigen sind essbar.

Tunos (Feigenfrucht) gelten allgemein als Schmackhaft und Gesund. Sie enthalten neben wichtigen Mineralstoffen wie Kalzium oder Magnesium, auch Betakarotin, Vitamin B und C. Die gelblich bis rote Frucht kann roh verzehrt, als Marmelade eingekocht oder als Fruchtsaft verwendet werden.

Doch Vorsicht, das Essen sticht.
Bewaffnet mit vielen kleinen Stacheln muss die Frucht behutsam geschält werden. Einheimische legen sie kurz in kaltes Wasser ein und bürsten sie vor dem Schälen vorsichtig ab. Das Fruchtfleisch kann dann mit samt den Kernen gegessen werden.

 

Ungeliebter Kaktus

Obwohl man die schmackhaften Tunas schätzt, sogar die Kakteen blätter als Tierfutter oder zum Räuchern von Ziegenkäse verwendet, sind die Opuntien nicht mehr besonders beliebt, werden sogar als Unkraut beschimpft. Schuld daran ist die invasive Vermehrung.

Landwirte wären die eingeschleppten Kakteen gerne los, weil sie andere Pflanzen verdrängen.

Doch das ist nicht ganz einfach, weil man die starken Wurzeln dieser Art nur mit schwerem Gerät aus dem Boden bringt und selbst abgefallene Blätter in wenigen Monaten neue Wurzeln bilden können.

 

Zuhilfe kommt Ihnen eine kleine Laus.
Die Chochinilla Mejicana, eine Abwandlung der ursprünglich gezüchteten Schildlaus „dactylopius coccus“ ist es, die sich rasant verbreitet und seit einiger Zeit Feigenkakteen auf La Palma zerstört. Wie sich dieses Problem entwickelt, wird man in einigen Jahren wissen.

Über Graja (2003 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma.info/autoren-impressum/

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