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Der Staat im Staate

Sie sind Jäger, Sammler, Räuber und Sklavenhalter.
Ihre größte Kolonie erstreckt von der italienischen Riviera über eine Länge von 5.760 Kilometer, bis nach Spanien. Weltweit vertreten, gründen sie ihre Staaten wo immer sie möchten. Nicht selten möchten sie bei freier Kost und Logis ein festes Dach über dem Kopf und werden zum Hausbesetzer.

Ameisen auf den Kanaren

Fossile Funde aus der Kreidezeit bescheinigen der Art ein Alter von 100 Millionen Jahre. Etwa 13.000 Arten sind bekannt rund 150 davon soll es auf den Kanaren geben. Andere Quellen sprechen von 300. Einig hingegen ist man bei der Zahl exotischer Eindringlinge. Etwa 50 Arten werden nach einer Studie von Acrocabildo und Asprocan auf Teneriffa, La Palma und Gran Canaria als Schädlinge entlarvt.

Einige Beispiele:
Linepithema humile – Die ursprünglich aus Südamerika stammende Ameise tritt gerne in großen Stückzahlen in Häusern auf

Lasius neglectus – Ursprünglich aus der Türkei, fühlt sie sich besonders auf La Palma und Teneriffa wohl. Besonders angezogen wird sie durch elektrische Elemente wie Stecker oder Anschlussdosen in Gebäuden.

Monomorium pharaonis – Die Pharaoameise stammt aus dem tropischen Asien. Auf den Kanaren kommt sie selten vor, ist aber höchst gefährlich, da sie auf Gegenstände und Lebensmittel Krankheitskeime wie Salmonellen, Streptokokken und Staphylokokken übertragen kann. Selbst in Computer kann sie eindringen, weil sie durch zuckerhaltige Schutzgele von Stromkabeln angelockt wird. Dort kann die Pharaoameise sogar Systemabstürze und Elektrobrände verursachen.

Monomorium Carbonarium – Stammt aus Madeira und liebt Wohngebäude. Ist aber äußerst selten anzutreffen.
Pavement Ameise Sie kommt nur selten in Häuser, gilt jedoch als Problem auf Terrassen, weil sie ihre Nester in Gehsteigen, Gehwegen oder zementierten Straßen bauen.

Umweltpolizei beim entsorgen eines toten Gecko.
Foto: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=522945

Nützliche Tierchen und Horror Plage

Alle Ameisenarten sind in Staaten organisiert, üben eine große Faszination auf Liebhaber aus und gelten allgemein als nützliche Insekten. So zum Beispiel die Lasius niger oder grandis Lasius. Sie haben eine Vorliebe für süße Sekrete von Schildläusen, Weißen Fliegen, Blattläuse und anderen Schädlingen. Von der Bevölkerung werden sie daher zum Schutz ihrer Gärten geschätzt.

Dringen Ameisen jedoch in Wohngebäude ein, werden sie lästig, zum Teil auch gefährlich.

Auf La Palma wandern Ameisen vermehrt bei Starkregen, um ihre Gelege zu schützen in Gebäude. Auch in langen Trockenperioden kommen sie in Häuser auf der Suche nach Nahrung.

Die Viecher sind bestens organisiert.
Entlang elektrischer Leitungen krabbeln sie durch Hauswände spähen durch Steckdosen nach fressbarem. Auch kleine Löcher in Fliesenfugen oder Abwasserrohre dienen als trojanisches Pferd. Hat der Späher etwas entdeckt, werden sofort Wegweiser aufgestellt. Die Invasion beginnt.

Ekel und Horror für viele Menschen.
Ameisen im Haus möchten wir los werden. Fressfeinde wie Grünspecht oder Ameisenbär haben wir auf La Palma jedoch nicht zur Verfügung. So entwickeln manche Zeitgenossen kuriose Pläne um die Ameisenstraße zu bekämpfen. Wacholder, Essig, Kaffee, Gewürznelken oder Lavendel sind nur einige dieser seltsamen Hausmittel. Dauerhaft hilft dies allerdings nicht und so kapituliert man meist und greift zu Ameisenspray.

Gift ist allerdings nicht für jeden eine Option. Auch Ameisen ignorieren häufig ausgelegte Köder, weil vielfältigste Sinnesorgane zum Tasten, Riechen und Schmecken die Ameise warnt.

Backpulver soll tatsächlich helfen.
Für Haustiere wie Hunde oder Katzen ist Packpulver nicht schädlich. Für Ameisen jedoch besteht akute Explosionsgefahr mit nachhaltiger Zerstörung. Die Funktion ist einfach.

Natriumhydrogencarbonat, welches in Backpulver enthalten ist, ändert den PH-Wert der Ameisen. Flüssigkeiten in der Ameise dehnen sich aus und sie platzen. Da dieser Vorgang etwa zwei Tage dauert, ist Backpulver auf einer Ameisenspur ein wirksames Mittel gegen den gesamten Ameisenstaat. Kleinste Staubspuren an Füßen und Körper werden in den Bau getragen und infizieren selbst Brut und Ameisenkönigin.

Für Tierschützer und Liebhaber von Ameisen sicherlich kein schöner Gedanke. Für andere Menschen aber akzeptabler als die Giftkeule.

Ausrotten der Spezies ist nicht möglich.
Durch Gütertransporte etwa über Schiffe und Flugzeuge wurden viele Arten versehentlich in die ganze Welt verschleppt. Fast überall finden Ameisen, durch ihre Fähigkeiten Ideale Lebensbedingungen. Ihre Biomasse auf der Erde umfasst mehr als die Hälfte der Gesamtbiomasse aller anderen Insekten zusammen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Ameisen Larven in Mexico mit dem Gericht “Escamoles” als Lebensmittel genutzt werden.

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Über Graja (1917 Artikel)
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