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Die Geisterschiffe von La Palma

Geisterschiffe gab es auf La Palma

Buques fantasma kamen in dichtem Nebel, meist bei Nacht ungesehen an die Küste von La Palma, blieben eine kurze Zeit und legten unerkannt wieder ab.

An Bord – menschliche Fracht.

Geisterschiffe, die es auf La Palma, wie den restlichen Kanaren wirklich gab. 34 davon sind dokumentiert, es könnten mehr sein. Belege dafür findet man in der spanischen Nationalbibliothek.

Illegale Auswanderung.

Zu Zeiten Francos waren große Teile Spaniens arm. Menschen auf den Kanaren flohen vor Hunger und Armut. Um dem damaligen Elend zu entfliehen, suchten viele Ihr Heil in der Ferne. Venezuela hieß das gelobte Land.

buques fantasma (Geisterschiffe) nannte man die Segelboote, die heimlich Menschen nach Venezuela brachten.

Boote, die offiziell Ihren Hafen verließen und auf hohe See fuhren. War Land nicht mehr zu sehen, änderten sie im Schutze der Nacht die Richtung, segelten an einen vereinbarten Punkt der Kanarischen Küste und nahmen Passagiere und Lebensmittel an Bord.

Versteckt und ungesehen musste dies geschehen.
Einige Geisterschiffe hatten deshalb doppelte Böden in den Kabinen, andere nutzten verkommene Laderäume, um Reise willigen Kanarier versteckt zu transportieren.

Erfahrungsberichte Betroffener belegen die schlechten Bedingungen. Sie sahen kein Tageslicht, schliefen auf Brettern und Säcken, umgeben von Läusen und Ihrem eigenen Erbrechen. An Deck wurden Sie nicht gerne gesehen.

 

Atlantik Überquerung

Gefährliche Atlantik Überquerung.

Jede Überfahrt der Geisterschiffe war ein großes Risiko. Meist waren es kleine Fischerboote und Segelschiffe, die dafür nicht gebaut waren. Manche wurden von Seeleuten gesteuert die etwas von Navigation verstanden. Häufig waren es jedoch Landratten, die weder von Passatwinden noch Strömung wussten.

Einige fuhren ohne Seekarten und Sextanten. Ihnen war nur bekannt, dass Venezuela der Ort war, an dem die Sonne unterging. Diesem Weg folgten Sie nach Westen.

Ein weiteres Problem war Wasser und Verpflegung. Manche Boote hatten mehr als 100 Personen im Schiffsleib. Platz für Vorräte war knapp und die Menschen mussten wochenlang ernährt werden. Wasser wurde auf einen viertel Liter am Tag begrenzt, Hauptnahrungsmittel war Gofio und haltbar gemachte Kartoffeln. Nicht selten gingen lebenswichtige Vorräte vor Ankunft aus. Dann sammelte man Regenwasser auf Plastikplanen.

Die weiße Witwe.
Die 34 bekannten Geisterschiffe der Kanaren beförderten 3.586 Menschen nach Venezuela. Nur 13 davon waren Frauen.

So wurde der Begriff „viuda blanca“ (weiße Witwe) geprägt. Dabei handelte es sich um zurückgelassene, häufig verarmte Frauen ohne Obdach, die Ihren Lebensunterhalt erbetteln mussten.

 

Geisterschiff

Bekannte Geisterschiffe von La Palma.

Zwölf dieser Boote sind auf La Palma bekannt. Sie starteten von Fuencaliente, Puntallana, Puntagorda, Tazacorte und Santa Cruz nach Venezuela. Die meisten dieser Boote kehrten nie zurück. Sie blieben in Venezuela. In einigen Fällen konnte man das Ziel jedoch nicht erreichen.

Die Anita.
Organisiert von seinen Reedern, segelte der Zweimaster am 19. August 1950 mit 119 Menschen an Bord von Fuencaliente nach La Orchila in Venezuela. Nach Ankunft wurden die Flüchtlinge festgenommen und nach 48 Tagen Internierung freigelassen. Der Kapitän wurde nach Spanien ausgeliefert. Das Segelboot „Anita“ blieb in Venezuela.

Die Benahoare.
Dieser Schoner war das schnellste der Geisterschiffe. Es startete am 21. April 1950 an der Küste von Fuencaliente mit 151 Passagieren und benötigte unter dem Kommando von „Esteban Medina Jimenez“ nur 21 Tage für die Überfahrt. Allerdings untersagten ihm die venezolanischen Behörden die Einreise und die „Benahoare“ wurde mehrere Seemailen vor die Küste geschleppt. Ein neuer Versuch am folgenden Tag funktionierte.

Das Schiff blieb in Venezuela, die Besatzung wurde nach Spanien zurückgeschickt und kam ins Gefängnis.

Die Delfina Noya.
Das unter dem Namen „Serrano“ bekannte Segelschiff startete am 20. Mai 1950 von La Galga in der Gemeinde Puntallana mit 228 Männern an Bord ins vermeintlich gelobte Land. Als nach einem Monat Wasser und Nahrung ausging, hatten Sie das Glück auf hoher See einen spanischen Tanker zu treffen, der Sie mit Wasser und Lebensmittel versorgte. 35 Tage später wurde das Schiff von venezolanischen Behörden festgesetzt und die Besatzung in El Dorado interniert. Den Passagieren wurde verboten das Boot zu verlassen.

Nach langen Tagen schafften es die Insassen nach und nach mit stillschweigender Zustimmung der Polizei von Bord zu gehen. Auch die „Delfina Noya“ blieb in Übersee.

Die Doramas.
Eine Gruppe von Palmeros kaufte das Fischerboot in Las Palmas, stellte eine Fischerfamilie als Besatzung ein und legte am 28. Juli 1950 von Puntagorda mit 130 Passagieren ab. Nach 45 Tagen trafen Sie an der Küste von Barbados ein Händlerschiff das Sie mit Wasser und Bananen versorgte. Am 11. September gingen Sie dann in La Guaira von Bord, wurden von den Behörden festgehalten und nach Klärung Ihrer Situation frei gelassen.

Die Emilio.
Dieses Segelboot wurde von einer Gruppe verfolgter Politiker aus Santa Cruz de La Palma gekauft. Damit startete die kleine Gruppe von 14 Personen am 8. August 1946 von Puntallana und erreichten nach 49 Tagen den Hafen von Güira. Von dort wurden Sie nach Caracas gebracht und bei der Botschaft der spanischen Republik mit einem neuen Pass versehen.

Die Paco Bonmaty.
Ein Segelboot das seine Reise nie antreten sollte. Es wurde 1950 von einer Gruppe politisch Andersdenkenden gekauft, um von Tazacorte eine geheime Überfahrt zu organisieren. Die geplante Reise scheiterte, weil einige von Ihnen inhaftiert wurden und zwei Monate im Gefängnis saßen.

Die Paulino.
Auch das erste Geisterschiff sollte sein Ziel nie erreichen. Hier wurde wohl die falsche Route gewählt. Nach dem man am 6. Dezember 1937 in der Hauptstadt Santa Cruz de La Palma gestartet war, wollte man zunächst an die Küste des Senegal reisen. Dort wurde die Paulino von einem Schiff der US-Regierung auf See gestoppt und der spanischen Marine übergeben. Die Insassen wurden in ein Gefängnis gebracht.

Die San Jorge.
Ein Segelboot, das aus kommerziellen Gründen von einem Weingut organisiert wurde. Um die teure Überfahrt zu kompensieren, unterteilte man die Laderäume und nahm 151 Passagiere an Bord. Am 26. Dezember 1949 verließ das Boot die Küste von Fuencaliente und erreichte nach einem Zwischenstopp in Trinidad nach 46 Tagen sein Ziel. Dort wurden sie festgenommen, dokumentiert und dann freigelassen.

Die San Jose.
Auch dieses Geisterschiff erreichte sein Ziel nicht. Nach dem man mit 27 Personen heimlich in Santa Cruz de La Palma ablegte, wollten die Segler erst nach La Gomera, um in San Sebastian Lebensmittel zu bunkern. Als das Boot dort ankam man fest, dass das marode Boot in einem so schlechten Zustand war, dass eine Fahrt über den Atlantik nicht möglich war. Das Segelboot strandete an der Küste, die Insassen kehrten nach La Palma zurück.

Die San Miguel.
Der Motorsegler startete am 1. September 1948 im Norden von La Palma mit 51 Personen einer politischen Organisation nach Venezuela. Nach heftigen Stürmen, die den Motorsegler zu versenken drohten, erreichten Sie nach 41 Tagen La Guaira.

Die Nuevo Teide.
Von allen (bekannten) illegalen Auswanderungsschiffen brachte dieses Segelboot mit 286 Passagieren die meisten Menschen auf einen Schlag nach Venezuela. Unter dem Kommando eines erfahrenen Skippers, er war Kapitän der Handelsmarine, startete am 7. April 1950 von Fuencaliente die Fahrt nach Venezuela.

Nach nur 29 Tagen war es geschafft. Die Passagiere mussten noch 12 Tage an Bord bleiben und wurden dann an Land gelassen. Kapitän und Besatzung wurden nach Spanien zurückgeführt.

Die Rapido.
Eine Gruppe von 36 Freunden kaufte das Fischerboot in Santa Cruz de La Palma und stach am 17. August 1950 von Puntallana in See. Sie erreichten nach 38 Tagen Venezuela, wurden in La Orchila für 40 Tage inhaftiert und dann freigelassen.

(Quelle: Bioconce /bioconce37sur.blogspot.com/2013/04/la-emigracion-canaria-venezuela-los.html?spref=fb)

 

Heimkehrer

Die Völkerwanderung.

Nach Statistiken kamen alleine 1954 offiziell 74.000 Kanarische Auswanderer nach Venezuela. Die gesamte Zahl wird auf 150.000 geschätzt. Viele blieben in Südamerika, gründeten neue Familien und wurden Teils wirtschaftlich erfolgreich.

Erst in den 70er setzte mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Kanaren eine Rückreisewelle ein. Man ging mit Hut, Sack und Pack zurück auf die geliebte Isla bonita, die man als Flüchtling vor Hunger und Verfolgung verlassen musste. Mit im Gepäck, die südamerikanische Lebensweise.

Heute freuen wir uns auf La Palma über südliches Flair, karibische Musik, Fiestas und Arepas. Das ist es, was die Insel zu einer besonderen Insel macht.

Es war ein langer Weg dahin, gespickt mit Leid, Entbehrung, Angst und mutigen Menschen.

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Über Graja (1946 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: https://la-palma.info/autoren-impressum/

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