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Felskunst der Ureinwohner

Steinhaufen oder Formen einer Bildsprache?

In der mythologischen Landschaft vieler Menschen wohnten dort, wo am Gipfel die Erde aufhört und mit dem Firmament verschmilzt, Geister und Götter in ihrer himmlischen Residenz. Da man nicht in der Lage war bestimmte Naturphänomene zu erklären, die Vieh oder landwirtschaftliche Erträge beeinflussen, musste man sich mit einer Gottheit arrangieren.

Auch auf La Palma intervenierte man an mehreren Stellen, wie zum Beispiel dem Gipfel des Tedote, durch Opfergaben. Sichtbar wurden diese magischen Orte durch Steingebilde. Bis zum Gipfel des Roque de los Muchachos sollen bisher mehr als 60 dieser Steinhaufen entdeckt wurden sein.

Viele dieser Orte beinhalten spiralartige Felsgravuren, die unsere Ureinwohner mit einfachsten Mitteln in widerstandsfähigen Basalt gehauen haben. Die wohl bekanntesten Felsgravuren der Insel finden wir mit den erst nach 1982 entdeckten Petroglyphen an einer 8 Meter hohen Felswand von El Cementerio bei El Paso und im Archäologie park La Zarza. Inselweit werden mittlerweile ständig neue Felsgravuren entdeckt.

 

Hier bei den Höhlen von Belmaco

Symbole oder eigene Schrift?

Die Bedeutung dieser Petroglyphen ist bisher kaum zu entschlüsseln und Forschungsgegenstand von Archäologie und Ethnologie. Dennoch ist bis heute nicht klar, was diese Steingebilde darstellen.

Manche vermuten, dass es sich um religiöse Fruchtbarkeitsrituale, der Verehrung eines Gottes oder einen Regenzauber handelt. Da sich Felsgravuren meist in Höhlen oder deren Nähe finden, wurde auch schon eine Abgrenzung von Gebieten vermutet. Wahrscheinlicher ist jedoch die Verehrung von Wasser, Sonne und Mond.

La Fajana

Bringt Archäoastronomie Klarheit?

Archäoastronomie verbindet archäologische Ausgrabungen mit astronomischen Deutungen. Einige Interpretationen auf diesem wissenschaftlichen Gebiet sind zwar umstritten, doch Lage und Gravuren auf Steinen könnten zur Verwendung einer Vorhersage von Mondfinsternissen und weiteren astronomischen Vorgängen dienen.

Diesen Weg denkt auch Professor Miguel Martin Gonzales.
Der Historiker und Gründer der Zeitschrift „Ireuene“ beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der geometrische Felskunst von La Palma und deren Bedeutung.

Wo für ein unerfahrenes Auge, Felsgravuren scheinbar zufällig in einem bestimmten Raum verteilt sind, schreibt er, müssen wir uns klar sein, dass Petroglyphen dem Raum eine Bedeutung geben. So befinden sich die Felszeichnungen von La Zarza und La Zarcita an sechs verschiedenen Orten, die nicht linear, sondern in Zyklen der Sonnenbewegung verbunden und auf das Sternbild des kleinen Bären ausgerichtet sind. Damit könnten die Altkanarier Winter- und Sommersonnenwende berechnet haben.

Dienten gestapelte Steine, kanarische Pyramiden und Felsgravuren der Guanchen der astronomischen Beobachtung?

Haben die Ureinwohner damit die Zyklen der Natur berechnet?

Diese Geheimnisse der Vergangenheit zu entschlüsseln, wird schwer möglich sein.

 

Ähnliche Felsgravuren finden sich in vielen Teilen der Welt

Eine Stätte der Archäologie.

Orte wie Altai in Russland, dort finden wir 172 Stellen mit skythischen Petroglyphen, oder den Britischen Inseln mit mehr als 6.000 Gravuren, wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Auch die Insel Gran Canaria hat dies mit der Bergregion Risco Caido geschafft. Dort befinden sich über ein Dutzend Orte verteilt etwa 500 Dreiecke im Fels.

Nun sollte, nach Meinung der Wissenschaftler, auch das archäologische Erbe unserer Insel noch umfassender geschützt und erforscht werden.

Für den Historiker Martin Gonzales ist klar, der Nachlass unserer Vorfahren ist enorm. La Palma hat mehr Felsgravuren als der Rest der Inseln im Archipel zusammen und die höchste Anzahl an Petroglyphen pro Quadratkilometer weltweit.

Bekannt sind bisher etwa 500 Orte mit mehr als 15.000 Zeichnungen und stetig folgen neue Entdeckungen aus dem Zeitalter vor Christi bis zum 15. Jahrhundert.

 

Ein Schatz für die Insel.

Auch wenn die wahre Bedeutung der Kombinationen von Kreisen, Mäandern und Spiralen nie entschlüsselt wird, als Forschungsgegenstand und ergänzendes Angebot zum Tourismus sind unsere Steingravuren ein Schatz für zukünftige Generationen.

Und wer weiß, … vielleicht können die Geheimnisse der Vergangenheit irgendwann entschlüsselt werden.

 

Quellen: ElPaiscanario, Wikipedia, Revista Ireuene, Arqueoastronomía.
Titelfoto und La Fajana von STMH CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3463893

Über Graja (1991 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma.info/autoren-impressum/

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