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Ganz besondere Schweine

Schwarze Schweine auf La Palma

Sechs Brüste, faltiger Kopf, faltiger Körper und viel zu lange Ohren.
Man könnte glauben, dass die Damenwelt der kanarischen Rasse bei einem Gewicht von 130 bis 160 kg nicht besonders attraktiv ist. Doch weit gefehlt, trotz ledriger Haut mit langen, schwarzen Borsten gibt es viele Liebhaber.

Das schwarze Schwein ist eine besondere Sau.

Die schwarzen Schweine „Cochinos Negro Canario“ sind die einzige einheimische Schweinerasse des kanarischen Archipels.

Diese prähispanische, schwarze Schweinerasse hatte wahrscheinlich einen nordafrikanischen Ursprung und wurde, wie Ausgrabungen beweisen, bereits von Siedlern der Steinzeit auf den Kanaren gehalten. Dies bestätigen archäologische Stätten und Schriften der ersten Chronisten aus dem 14. Jahrhundert.

Die ältesten gefundenen Überreste stammen aus La Palma.

Die Guanchen nutzten nicht nur das Fleisch der perfekt an Umweltbedingungen der Kanaren angepassten Tiere. Eine geschlachtete Sau wurde komplett verwertet. Aus der Haut wurden Kleidungsstücke hergestellt, Knochen wurden zu Utensilien wie Schmuck, Werkzeugen und Ornamenten.

Das schwarze Schwein ist gefährdet.

Mit der Eroberung der Inseln im 15. Jahrhundert waren die Kanaren zunehmend Anlaufpunkt für spanische Schiffe auf dem Weg nach Übersee. Die Inseln wurden zu einem Umschlagsplatz von Schiffen, Vorräten und lebenden Tieren. Kanarische Schweine wurden so nicht nur in die Neue Welt gebracht, auch Schweinerassen vom Festland und aus England kamen dadurch ins Kanarische Archipel.

Die rustikale Rasse des „cochino negro“ wurde an das System der Stallhaltung in kleinen Cochigueras angepasst und vermischte sich stetig mit anderen Hausschweinen. Auch Gene aus Asien konnte man bei diesen Schweinen feststellen. Mit der Zeit drohte dem „schwarzen kanarischen Schein“ das Aus, weil Reinrassige Bestände schrumpften. Das schwarze Schwein war in ernsthafter Gefahr und vom Aussterben bedroht.

Dank der Bemühungen unterschiedlicher Einrichtungen und Züchter, wurde die Rasse im Offiziellen Katalog der Nutztier-Rassen Spaniens als „Kanarisches Schwarzes Schwein“ gelistet und genießt nun einen besonderen Schutz durch das königliche Dekret 1682/1997.

Trotz einer Zusammenarbeit der Universität Las Palmas mit dem Schweinezüchter Verein ACCNC, gilt die heimische Rasse noch immer als vom Aussterben bedrohte Art. Auf La Palma gibt es heute wieder etwa 25 bis 30 reinrassige Zuchttiere.

Der Verbraucher bestimmt den Erfolg.

Vor einigen Jahren war es recht schwer Produkte des „cochino negro“ auf dem Markt zu finden. Heutzutage werden Fleisch und Wurst wieder in einigen Metzgereien und Restaurants angeboten, Verbraucher schätzen die Qualität und Geschmack. Ein kleiner, wichtiger Erfolg. Nur wenn Landwirte Ihre Produkte zu angemessenen Preisen verkaufen können, hat das schwarze Schwein eine Zukunft.

Schwarze Schafe bei schwarzen Schweinen.
Mit der Beliebtheit des besonderen Schweins stiegen auch die Probleme bei der Vermarktung. Für den Leihen ist es schwer beim Kauf die Herkunft seines Koteletts zu erkennen. Es soll Metzgereien geben, die normales Schweinefleisch fälschlicherweise als schwarzes Schwein verkaufen, obwohl dies ein geschützte Bezeichnung ist. Hier muss es, so der Schweinezüchterverein, zu einer klaren Abgrenzung der Massenbetriebe mit hellen Schweinerassen zu der Freilandhaltung der schwarzen Schweine geben.

Mit Unterstützung als Berater für Landwirtschaft und Viehzucht des Cabildo von La Palma wurde ein Projekt zur Rettung lokaler Rassen auf einem Bauernhof in Garafia gestartet. Da kann man nur „Viel Erfolg“ wünschen.

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Über Graja (1916 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: https://la-palma.info/autoren-impressum/

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