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Gottesacker

Wie die Hauptstadt zum Campo Santo kam.

Gestorben wird immer und überall. Was wir mit unseren Hinterbliebenen machen, ist jedoch recht unterschiedlich und hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Auch auf La Palma ist das so.

Zerbrochene Messer bescheren der Stadt einen Friedhof.

 

Santa Cruz de La Palma anno 1800.

Begräbnisse fanden in der Pfarrei von El Salvador statt.
Tote wurden, je nach Willen des Erblassers oder finanzieller Hingabe der Hinterbliebenen, in Kirchen, Klöstern und Kapellen der Bevölkerung beigesetzt.

Es war üblich, dass die Familien dem Vikar der Pfarrei von El Salvador den letzten Willen der Verstorbenen vorstellten, um die Beisetzungen an der richtigen Stelle zu veranlassen.

Dann starb Don Juan Perez Garcia aus dem Stadtteil San Telmo.

 

Sein letzter Wille – verblüffend.

Der verstorbene möchte abwechselnd in zwei Kirchen begraben werden, so teilte es die Familie dem Vikar mit. El Salvador und die Kapelle das Dominikanerkloster (capilla del Rosario del convento Dominico) sollten es sein.

Ein Wunsch, den der Vikar von El Salvador rundweg ablehnte, sah er doch seine Vorteile, wohl in Form der Spenden, schwinden. So wurde Don Juan am 25. Juli 1800 in der Kirche El Salvador beigesetzt.

Eine Entscheidung, mit der die Mönche des Dominikanerklosters so gar nicht einverstanden waren. Schließlich hatten sie ähnliche Interessen und klagten bei der Diözese. Mit Erfolg. Es wurde angeordnet, dass der Leichnam am 12. Februar 1802 verlegt werden muss.

 

Exhumierung des Don Juan.

Pedro Morera, Vikan von El Salvador war verärgert über diese Entscheidung, beauftragte aber, wie zu dieser Zeit üblich, eine Metzgerei in Santa Cruz de La Palma mit der Exhumierung des Leichnames.

Der Metzger Salvador Acosta sollte Don Juan ausgraben und ihn in einer kleinen Kiste zur Klosterkirche bringen. Bei seiner Arbeit stellte Salvador fest, dass der Leichnam noch gut erhalten und damit zu groß für seine kleine Kiste war.

Kurzerhand benutzte er seine Werkzeuge, um den Kadaver zu zerlegen. Nach dem Gliedmaßen mit Beil und Fleischermesser abgetrennt waren, konnten die Überreste in dem kleinen Sarg transportiert werden.

 

Grausame Tat am Pranger.

Die Familie des verstorbenen Don Juan prangerte diese Tat an und forderte beim Bürgermeister Gerechtigkeit. Auch die Bevölkerung war entsetzt darüber, dass der Metzger mit den Messern, mit denen er Fleisch zum menschlichen Verzehr bearbeitet, auch Leichen zerstückelt.

Das aufgebrachte Volk setzte Stadtrat und Bürgermeister so unter Druck, dass sie keine Wahl hatten. Sie mussten verhindern, dass Werkzeuge gleichermaßen für tote Menschen und Tiere genutzt werden.

Damit sich dieser Skandal nicht wiederholt, wurden die Messer des Fleischers öffentlich zerbrochen und auf der Plaza de Espana für jedermann sichtbar ausgestellt.

Zusätzlich beschloss der Stadtrat von Santa Cruz de La Palma einen neuen Friedhof, außerhalb von Kirchen und Klöster, zu schaffen.

 

Am 19. November 1821 wurde dann der offizielle Campo Santo in der Hauptstadt eingeweiht.

 

…Weitere Sagen, Geschichten, Legenden und Mythen finden Sie hier.

Über Graja (1979 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma.info/autoren-impressum/

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