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Kanarische Kämpfe mit sanfter Gewalt

Steine lupfen, Pflüge heben, Männer in den Sand werfen oder mit Stöcken schlagen, das ist ein Stück Heimat in einer globalisierten Welt.

Seltsame Sportarten auf den Kanaren

Junge Männer messen Ihre Kräfte.

Männlichkeit, so glauben viele Männer, liegt in der Kraft andere Männer zu bezwingen. Zahlreiche Sportarten sind so weltweit entstanden. Spannend wird es jedoch dort, wo in traditionellen Sportarten Mann gegen Mann gekämpft wird.

Fair und unblutig geht es zu, wenn alte Arbeitswerkzeuge für Wettkämpfe wiederbelebt werden und „Brauchtumssport“ das Volk unterhält.

Alte Traditionen und Bräuche haben auf den Kanaren eine Reihe von Sportarten erhalten, die sich aus Freude an Wettkampf, häufig aus täglicher Arbeit entwickelten. Man(n) möchte halt wissen, wer der Beste ist. Einige dieser Brauchtums–Sportarten folgen festen, stark ritualisierten Formen und werden von Vereinen oder Folkloregruppen gepflegt. Andere Wettkämpfe finden einfach nur spontan bei Arbeit oder Feierlichkeiten statt.

Dazu gehören der Lucha Canaria – Levantamiento de piedras – Lucha de Garrote – Levantamiento de arado.

Spannend anzusehen sind vor allem Wettbewerbe, die nicht alltäglich sind.

 

Lucha de Canaria.

T-Shirt und kurze Hose mehr braucht ein kanarischer Ringer nicht zum Sieg. Der wohl bekannteste Kampfsport der Kanaren wurde, was zahlreiche Dokumente belegen, schon von den Ureinwohnern praktiziert.

Damals waren es nicht nur junge Männer die sich im Kampf messen, auch alte Leute und Frauen der Aborigines frönten der Kampfeslust.

Details zum Lucha de Canarias haben wir hier zusammengestellt.

Ringen auf La Palma

Heute ist dieser Sport Markenzeichen der kanarischen Kultur und im gesamten Archipel präsent. Mehr als 5000 Kämpfer sind in ca. 100 Vereinen organisiert.

 

Steinheben – Levantamiento de piedras.

Schwere Steine hebenJeder, der auf La Palma schon einmal einen Garten, Finca oder Grundstück bearbeitete kennt das Problem. Steine so weit das Auge reicht. Müssen die weg, wird es schnell Schweißtreibend und Kraftraubend.

Ein Knochenjob, mit dem der Bauer auf den Kanaren seit Jahrhunderten lebt. In ländlichen Gebieten hat sich so ein Wettkampf entwickelt, der Kraft und Geschicklichkeit erfordert.

Erste Hinweise auf das Steineheben oder „Pulso“ als Krafttest, mit dem die alten kanarischen Siedler gemessen wurden, gibt es in Chroniken aus dem Jahr 1594.

Nach einer alten Überlieferung wurde der 150 kg schwere „Piedra de Los Valientes“ im Hochland von Arico von Guanchen vom Boden angehoben auf Schulterhöhe gestemmt, hinter den Hals gedreht und von hinten wieder auf den Erdboden gesenkt.

Heute findet das Steineheben spontan bei der Feldarbeit statt, wird bei Fiestas gezeigt und kennt unterschiedliche Disziplinen. Man hebt die maximal schweren Steine auf den Bauch, stemmt sie auf Brusthöhe und gibt sie von Schulter zu Schulter weiter.

Eine Variante ist es den Stein ohne Körperkontakt über den Kopf zu heben und ihn dann möglichst weit Rückwerts zu werfen.

Steinmetze, Bergleute oder Bauern messen sich in diesen Wettkämpfen. Was dem Sieger winkt? Ehre und anerkennende Blicke von uns „Normalos“, die solche Gewichte nicht stemmen können.

 

Stockkampf – Lucha de garrote.

Hirten kämpfen mit dem StabAuch der heute auf La Palma, Teneriffa, Gran Canaria und El Hierro praktizierte traditionelle Stockkampf hat seinen Ursprung bereits in Zeiten der Guanchen. Wieder ist der Wettkampf aus täglicher Arbeit geboren.

Die Hirten der Insel hatten immer einen Stab dabei. Auch der Hirtensprung, er soll in Puntallana auf La Palma seinen Ursprung haben hängt mit einem dieser Stäbe zusammen.

Er unterstützte Sie bei Bewegungen in unwegsamer Geografie, beim Umgang mit Vieh, aber auch beim Kampf. Denn nicht selten gab es Streitereien mit anderen Hirten oder Spitzbuben, die ein Stück Vieh streitig machen wollten. Auch gegen ausländische Feinde war der Stab eine nützliche Waffe.

Nach der Eroberung durch die Spanier war es den Aborigines verboten Waffen zu tragen. Allerdings konnten Sie durch isolierte Lage Ihrer Weidegründe den Stützstab weiter heimlich nutzen und so die traditionelle Kampftechnik bewahren.

Auge zu Auge stehen sich die Kämpfer gegenüber, bewaffnet mit einem Hirtenstab aus Kanarischer Kiefer (Pinus canariensis) oder Holz aus dem Mandelbaum (Prunus Amygdalus). Die Garrote hat eine Länge, die ein Viertel über die Höhe des Garrotista ragt und dient als Angriffswaffe ebenso als Schild der Verteidigung. Mit akrobatischen Körperbewegungen, die Teils an Tänze erinnern, versucht man den Gegner niederzuschlagen. Das Ganze passiert mit viel Gefühl, streichelnden Komponenten und harten Angriffen, die den Zuschauer faszinieren. Dabei gibt es eine Vielzahl von Techniken, die immer weiter verfeinert werden. Die Garroteadas (Stockkämpfer) machen dabei auch keinen Unterschied zwischen Männer und Frauen, gemischte Kämpfe sind keine Seltenheit.

Im Laufe der Zeit wurden die Stöcke verbessert und mit eisernen Zehenkappen (Puyones) an den Spitzen verstärkt. Heute ist der „Lucha de garrote“ eine regulierte Sportart, mit der man nicht nur bei Fiestas und Vorstellungen das Volk unterhält. Aus dem einfachen Stockkampf der Ureinwohner wurde ein offizieller Kampfsport, der internationale Erfolge verzeichnet. So gab es zum Beispiel eine Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft 2000 und einen Europameister bei Techniken mit Waffe im Jahr 2001. Schiedsrichter und Trainer tragen bei diesen Veranstaltungen schwarze Kleidung, Kämpfer unterscheiden sich durch die Farben Ihrer Schärpen.

 

Pflüge stemmen – Levantamiento de arado.

Kampf mit dem PflugWas bewegt einen Bauer dazu seinen eigenen rund 100 kg schweren Pflug in die Luft zu heben? Auch bei dieser Frage sind wir wieder in Zeiten der spanischen Eroberung. Das neue Land musste bearbeitet werden. Die wichtigste Gerätschaft dabei war der Pflug.

Er musste von Ort zu Ort bewegt werden. Kraft und Geschicklichkeit waren dazu notwendig.

Die Männer waren stolz auf Ihre Fähigkeiten und so entstand in Arbeitspausen auf dem Feld ein Wettkampf, bei dem die Arbeiter sich mit Kraftakten messen.

Die Kunst besteht darin, einen Pflug an der Pinne zu packen, ihn in die Vertikale zu heben und mit einer 380 Grad Drehung langsam wieder in die Horizontale abzusenken.

 

Lange Zeit war dieser uralte Wettkampf in Vergessenheit geraten. Dass wir das Spektakel noch heute bei kanarischen Festen bestaunen können, ist dem Bauer Jose Rodriguez Franco (1912-1991) zu verdanken. Der Mann mit dem Spitznahmen „Faro Maspalomas“ galt als einer der berühmtesten Pflug-Lifter seiner Zeit und gründete eine Schule, damit Nachkommen die Tradition fortsetzen konnten.

Mittlerweile gibt es solche Darbietungen auf fast allen Inseln. Hochburg ist jedoch Gran Canaria, wo es Pflugheber gibt, die es schaffen einen 100 kg schweren Pflug nur mit dem Kinn zu balancieren.

 

Auch Helden wie der Gründer von Theben oder Achilleus sollen sich auf den Kanaren schon die Zeit mit sportlichen Spielen vertrieben haben.

Gesegnete Inseln

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Über Graja (2021 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: https://la-palma.info/autoren-impressum/

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