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Ölteppich vor Gran Canaria wächst weiter

Kritik am vorgehen der Behörden.
Kapitän der Oleg Naydenov erhebt schwere Vorwürfe gegen den Hafenmeister.
Gefahr für kanarische Küsten sinkt.

Luftaufnahme Salvamento Maritimo

Kritik an Behörden wird laut.
Wurden von der Hafenbehörde in Gran Canaria falsche Entscheidungen getroffen? Die Untersuchungen haben, parallel zur Bekämpfung der Ölpest begonnen. Unterdessen tritt weiter Treibstoff aus der gesunkenen Oleg Naydenov an die Meeresoberfläche. Der Ölteppich vor der Küste Gran Canarias ist bereits 6 km lang und 2 km breit und wächst weiter an. Eine Gefahr für Küsten im touristischen Süden der Insel wird indessen geringer, weil die Treibstoffreste der gesunkenen Oleg Naydenov in Richtung Süden von der Insel weg treiben.

Der russische Fischtrawler wurde brennend aus dem Hafen von Las Palmas geschleppt und sank etwa 20 Mailen vor Gran Canaria. Wir hatten hier „Katastrophe vor der Küste“ darüber berichtet.

Weshalb wurde das brennende Schiff aus dem Hafen geschleppt?
Igor Dorofieyev, Kapitän der russischen Oleg Naydenov, wurde mit seiner 71-köpfigen Crew durch Evakuierung gerettet und soll nun dem spanischen Hafenmeister schwere Vorwürfe machen. Die Entscheidung, das brennende Schiff aus dem Hafen zu schleppen, war ein schwerwiegender Fehler, sagte er bei seiner zwei stündigen Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft. Im wird ein Verbrechen gegen die Umwelt vorgeworfen. Auch ein Vertreter der russischen Marine hat klargestellt, dass sein Mandant kein Verschulden an der ökologischen Katastrophe trifft.

LoeschbootAuch andere Stimmen gehen von einer Fehlentscheidung aus.
Löscharbeiten wären am Pier im Hafen einfacher durchzuführen. Löschboote könnten von Seeseite, mit Unterstützung der Feuerwehr von Landseite, effektiv arbeiten. Sollte das Schiff im Hafen sinken, bestünde bei einer Wassertiefe von nur 8 bis 12 Meter, gute Chancen den Treibstoff abzupumpen und das Wrack später zu heben.

Der Hafenmeister, so die Kritik, hätte spätestens seit der Schiffskatastrophe des Tankers „Prestige“ im Jahr 2002 vor der Küste von Coruña wissen müssen, was Tausende Tonnen Treibstoff an der Küste und im Ökosystem anrichten. Nun aber liegt die Oleg Naydenov in einer Wassertiefe von 2.400 Meter und ist für Bergearbeiten kaum erreichbar. Was bleibt, sind Beobachtungs- und Sicherungsmaßnahmen an der Meeresoberfläche.

Es bestand Explosionsgefahr.
Nach Medienberichten wurde die Hauptstadt von Gran Canaria mit einer dichten Rauchwolke überzogen. Der stinkende Dampf hätte die Gesundheit der Anwohner gefährdet. Zusätzlich bestand Explosionsgefahr. Es musste verhindert werden, dass der Brand auf weitere Schiffe oder Hafenanlage übergreift. Mit der Maßnahme das Schiff aufs offene Meer hinauszuschleppen, wollte man einer Verschmutzung im Hafen und einer Ölpest an der Küste vorbeugen.

Was bleibt ist Schadensbegrenzung.
Am Ende wird es einen Schuldigen geben. Kritik ist im Nachhinein immer recht einfach, bringt aber niemanden weiter. Was bleibt ist Schadensbegrenzung. Am Montag den 20. April wird ein Tiefseeroboter zur Bestandsaufnahme an der Unfallstelle erwartet. Die Seerettung Salvamento Maritimo hat Boote und ein Flugzeug im Einsatz. Zusätzlich arbeiten Umweltschutzschiffe, ausgestattet mit Barrieren und Kohlewasserstoffen gegen die Ausbreitung. Windgeschwindigkeiten von 25 Knoten und 2 Meter hohe Wellen gestalten die Arbeiten jedoch schwierig.

Kohlenwasserstoff kan zur Dispergierung an der Wasseroberfläche eingesetzt werden, um das Öl für Öl abbauende Mikroorganismen besser verfügbar zu machen. Dazu muss das Stoffgemisch fein zerstäubt auf die Wasseroberfläche gebracht werden. Der Einsatz ist allerdings nur bei maximal 3 bis 7 Windstärken möglich. Auch Barrieren, sie können eine Ausbreitung der betroffenen Fläche verhindern, sind wetterabhängig. Starke Winde und hoher Wellengang verhindern einen wirksamen Einsatz.

Gefahr und Selbstheilung.
Ein Ölteppich auf dem Meer dämpft den Seegang und spiegelt eine ruhige Fläche vor. Seevögel erkennen dies als scheinbaren Ruheplatz und landen auf zähflüssigem Öl. Auch Meeresbewohner wie Schildkröten, Wale und Delfine halten sich mit Vorliebe nahe der Wasseroberfläche auf und erkennen das Öl nicht als Gefahr.

Die Natur sorgt mit der Zeit selbst für Reinigung. Zum einen gehen leichtflüchtige Anteile durch Verdunstung schnell in die Atmosphäre über, Rohöl ist innerhalb von wenigen Tagen zu einem Drittel verdunstet. Zum andern sorgen Bakterien für einen weiteren Abbau.

Bleibt die Windrichtung stabil wird man wohl auf diese Selbstheilung setzten, denn im Augenblick ist weder ein kanarischer Strand noch die afrikanische Küste bedroht.

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Über Graja (1917 Artikel)
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