Palmerische Umweltsünden

Palmerische Umweltsünden

Was im Meer verschwindet, ist für alle Zeit verloren, – Denken einige leidenschaftliche Entsorger. Doch Neandertaler lebten auch nicht waagrecht unter der Erde, nur weil man ihre Überreste heute so vorfindet. Irren ist also von Gott gegebene Menschlichkeit.

Heute wissen wir, welche Folgen ungeklärte Abwässer haben, wenn sie in Küstengewässer gelangen. Selbst gefilterte Abwässer sind nicht unbedenklich. Schlauer machte uns dieses Wissen bisher nicht. Noch immer werden Abwässer von Industrie und Haushalt in unsere Küstengewässer geleitet.

An 17 offiziellen Stellen geschieht dies mit wissen des Gobierno de Canarias ohne Autorisierung oder mit abgelaufenen Genehmigungen. Eingeleitet wird teils von Land für alle sichtbar, teils submarin mit Abwasserrohren unter dem Meeresspiegel.

So leitet zum Beispiel die Gemeinde Los Llanos de Aridane ihr kommunales Abwasser am Strand von Puerto Naos auf höhe des Sol Hotel submarin in den Atlantik. Zwar vorgefiltert, die Genehmigung dazu ist allerdings seit Februar 2007 abgelaufen.

In Tazacorte werden gleich an 3 Stellen (Hafen und Badebereich) Abwasser ins Meer geleitet. 2-mal an der Oberfläche einmal submarin in 50 Meter Tiefe. Für keine der 3 Entsorgungspunkte liegt eine Genehmigung vor.

Abwasser ins Meer geleitet in Tazacorte

Auch in Barlovento auf Höhe der Naturschwimmbecken und San Andrés y Sauces bei Puerto Espindola werden Abwässer ohne Autorisierung ins Meer geleitet. Dabei handelt es sich nur um Badezonen, es sind auch Fischereigebiete. Im Fall von Barlovento ist das Abwasser wenigstens gefiltert.

Selbst die Hauptstadt Santa Cruz de La Palma leitet stätisches Abwasser mit Maldonado, El Faro und Barranco de los Gomeros gleich an 3 nicht autorisierten Stellen ins Meer.

Weiter geht es mit Breña Baja, dort wird Industrieabwasser ohne Genehmigung an der Playa Bajamar am Badebereich in den Atlantik geschickt.

Dies sind nur einige Beispiele, der 17 bekannten Stellen, die sich beliebig erweitern liesen. Wie hoch die Dunkelziffer ist, bleibt ebenfalls fraglich. Sicher sind dem Gobierno nicht alle Rohre bekannt, die von irgendwelchen kleinen Siedlungen zum Meer führen. … Nun ja, was seit Jahrzehnten gut war, kann ja so ganz plötzlich, nur weil man Wissen hinzugewinnt, nicht falsch sein. Der Atlantik wird es schon schlucken.

Was mir dazu noch einfällt ist ein Gedicht, hier ein kurzer Auszug:

„…Er tritt zitternd an die Klippe, im Mund noch eine letzte Kippe, dann springt er ins Wasser von Mut getrieben. In dicke Fäkalien sinkt er nun ein, viel zu zäh scheint die Brühe zu sein. Es streifen den Taucher auch feste Brocken, die ihm ein leichtes Würgen entlocken. Doch durch die Massen kämpft er sich vor, durch Abfall, der schon vor Jahren vergor. …“

Weshalb die genannten Orte keine Genehmigung zur Abwassereinleitung haben, geht aus den Datenblättern des Gobierno de Canarias nicht hervor.

Was wurde eigentlich aus?

Es regnet zu wenig und der einst als unerschöpflich geltende Vorrat das Quellwasser in der Caldera de Taburiente ist seit Jahren rückläufig. Hinzu kommt ein enormer Wasserverbrauch zur Bewässerung unserer Bananen, die etwas mehr als 95% der Reserven nutzen. Um bei anhaltender Trockenheit neue Wasserreserven zu erschließen, werden mit Wassergewinnungsstollen uralte Reserven angegriffen, die sich in tausenden Jahren gebildet haben und nun in kurzer Zeit verbraucht werden könnten. Dramatische Grundwasserabsenkungen könnten in der Umgebung der Stollen die Folgen sein.

Trotz einiger Regentage war auch dieses Jahr bisher zu trocken. Zwar sind unsere Wasserspeicher nicht mehr leer, aber spätestens in heißen Sommermonaten werden wir feststellen, dass noch immer riesige Mengen an Regenwasser fehlen.

Wassermangel wird auch im restlichen Jahr Thema bleiben.

Wal sterben vor den Kanaren

Schon in den 60. Jahren gab es Wahlsterben. Dann seit 2017 häufte es sich wieder, dass Wale vor den Küsten der Kanaren und auch unserer Insel La Palma vermehrt Wale starben. Der letzte im April letzten Jahres. Die Todesursache konnte auch dieses Mal lokalisiert werden. Wie häufig war es ein Zusammenstoß mit einem Schiff.

Dann stoppte der Coronavirus den Schiffsverkehr. Freizeit und Sportboote wurden in Häfen verband und auch der gewerbliche Bootsverkehr stark verringert. Das Ergebnis: Wale und Delfine haben Ruhe und scheinen sich sichtlich wohler zu fühlen. Fas täglich kann man die Tiere nun nahe an der Küste beobachten. Unbehelligt, ohne Belästigung durch Menschen trauen sie sich in Inselnähe.

Walsterben vor den Kanaren

Das wird leider nur ein vorübergehender Aspekt sein.

Abwasser Sünden

Wo Wasser verbraucht wird, entsteht auch Abwasser. Wie auf allen Kanarischen Inseln, wird dieses auch auf La Palma mancherorts ungefiltert, nicht selten gar illegal ins Meer geleitet. Das Ganze nicht heimlich in dunkler Nacht, nein! Es passiert mit Wissen der Regierung und die Stellen, an denen Abwässer eingeleitet werden, kann jeder offiziell auf Webseiten des Gobierno de Canarias finden. An vielen Stellen wurde bereits offen diskutiert, geändert hat sich nichts.

Illegale Verklappung wird auch nach covid weitergehen.

Klimawandel ist da

Noch vor einem Jahr befürchteten spanische Klimaforscher eine Afrikanisierung der Kanaren. Die Wissenschaftler waren der Meinung, dass Tierarten und Pflanzenspezies durch Wassermangel aussterben, neue Krankheitsbilder entstehen und der Meeresspiegel bis 2050 um 35 Zentimeter steigt. Die Kanaren könnten damit mehr als 15 Meter Strandland an den Atlantik verlieren.

Auch auf La Palma hatte man das vermeintliche Problem erkannt und befürchtete eine Zunahme von Calimas, mehr Hitzewellen mit Trockenheit. Dagegen wollte man etwas tun und hat den Klima-Notstand ausgerufen.

Passiert ist seither nichts mehr. Das Thema wird wohl nach Corona wieder aufgenommen.

La Palma bleibt eine Quelle für Geschichten

Da gibt es wohl eine Kläranlage unterhalb der Anlagen „Las Galetas“ und „Las Olas“. Aber ob alle Haushalte und Unterkünfte daran angeschlossen sind, weiß ich nicht; vielleicht weiß das niemand wirklich. Ich kenne die Kläranlage dort schon seit Jahrzehnten und habe nicht den Eindruck, dass sie mit der Zunahme an touristischen Anlagen annähernd proportional gewachsen ist.

Mit Freude sehen wir der Zeit nach dem blöden Ausnahmezustand entgegen. Dann wird nicht ein Tagebuch im Hausarrest, sondern wieder die schönen Dinge der Isla bonita eine Rolle spielen.

Auch das erinnert dann wieder an ein Stück Normalität auf der Insel.