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Palmerischer Rohrzucker

Zuckerrohr Anbau auf La Palma.

Der einstige Wirtschaftsmotor Zuckerrohr, wird noch heutzutage auf La Palma angebaut und verarbeitet. Echte Enthusiasten sorgen für Erfolg der Bambus ähnlichen Pflanze.

Süßgräser wurden bereits im 5. Jahrhundert v.Chr. im ostasiatischen Raum genutzt. Doch erst als Columbus die ersten Zuckerrohrpflanzen in die Karibik brachte, begann der Siegeszug der Pflanze, die im 16. Jahrhundert wichtigster Exportartikel europäischer Karibik-Kolonien wurde. Saccharose officinarum war der wichtigste Rohstofflieferant für Haushaltszucker und Grundlage für Alkohol.

Nach La Palma kam die „caña de azúcar“ schon kurz nach La Palmas Eroberung durch die Spanier. Katalanische Landbesitzer bauten das Zuckerrohr in Wasserreichen Gebieten von Tazacorte und San Andres y Sauces an.

 

Wirtschaftsfaktor Zuckerrohr.

Da die anspruchslose Zuckerrohr Pflanze lediglich warme Temperaturen von 25 Grad und viel Wasser benötigt, fand sie auf La Palma beste Grundlagen für schnelles Wachstum. Bereits nach etwa 10 Monaten nach Pflanzung, kann Zuckerrohr geerntet werden. Lässt man es länger stehen, ist auch das kein Problem, manchmal sogar gewünscht, weil sich der Zuckergehalt erhöht.

Es gibt auch nicht viele Reste, denn bei der Zuckersaftgewinnung ist alles verwertbar. Die bei Pressung zurückbleibende Begasse ist beliebtes Futtermittel für Schafe, Ziegen und Rinder. Was nicht als Viehfutter endet, wird im Haushalt als Brennstoff verwendet.

Dies machte den Anbau von Zuckerrohr zu einem gewinnbringenden Ackerbauprodukt und wichtigstem Wirtschaftszweig auf La Palma. Europäische Kaufleute, Handwerker, Wein- und Ackerbauern wurden auf die Insel gerufen, um Kapital und Arbeitskraft in Zuckerverarbeitung zu investieren.

Der kleine Hafen „Puerto Espindola“ wurde eigens für die Verschiffung von Zucker nach Übersee gebaut. Heute zeugen stattliche Herrenhäuser von damaligem Reichtum. Und auch der kleine Hafen von San Andres y Sauces steht noch.

 

Zuckerrohrplantagen heute.

Mit dem Zuckerrübenanbau in Europa kam die Zuckerrohrgewinnung auf La Palma weitgehend zum Erliegen. Wurden 1914 noch 540 Tonnen Rohrzucker angebaut, waren es 2003 nur noch 150 Tonnen. Tendenz weiter fallend.

Im Laufe der Zeit wurden Plantagen in Weinfelder umgewandelt und Wasserreiche Gebiete setzten auf die Banane. Doch noch immer hat Zuckerrohr einen hohen Stellenwert auf La Palma, denn es ist Grundlage für einen weiteren Wirtschaftszweig, den Rum.

Geschichte der Zuckerrohr-Pflanze ist Geschichte des Rums.

 

Einige Privatleute und Kleinbauern ernten noch Zuckerrohr als Nahrungsquelle für ihre Ziegen. Manchmal kann man auf Märkten auch einen Stand finden, der Rohrzucker frisch presst und das süße Sirup als Getränk anbietet. Eine Destille presst auch noch Zuckerrohrsirup für „Rapaduras“ und dem Fasnachtsgebäck „Sopas de Miel“, dazu später mehr.

Hauptabnehmer der in San Andres y Sauces, Barlovento und Tijarafe angebauten Zuckerpflanzen sind heute Destillen zur Rum Produktion.

 

Rum aus La Palma.

Schon 1883, wurde mit Gründung der „Destileria del Valle“, Rum wichtiger als Zucker. Heute wird in San Andres y Sauces in den Destillen Ron Espindola, Ron Aldea noch Rum nach traditionellerweise produziert. Der feine Saft mit 40 bis 70% Alkoholgehalt stützt sich nicht auf Melasse, wie es bei Konkurrenzprodukten häufig der Fall ist. Hier wird noch echtes Zuckerrohr verarbeitet und als palmerischer Rum vermarktet.

Palmerischer Rum stammt aus Gran Canaria.
1936 wurde die Marke Aldea von Don Manuel Quevedo Aleman geboren. In Aldea de San Nicolas auf Gran Canaria wurde zur privaten Nutzung der Familienmitglieder Rum gebraut. Man könnte also sagen, aus einem kleinen Schwarzbrenner entwickelte sich eine weltweit geschätzte Rum Marke.

Erst in den 50er Jahren verlegte Carmelo Quevedo die Produktion in die Bucht von Puerto Espindola auf der Ostseite von La Palma, wo noch heute seine Nachkommen das Unternehmen mit wachsendem Erfolg leiten. Das Erfolgsrezept: Direkte Verarbeitung des Guarapo (reiner Zuckerrohr Saft). Dadurch bleibt die natürliche Süße erhalten und führt zu bester Qualität.

 

Rum Sorten aus La Palma
Geschichte und Produktionsverfahren können Sie im Zuckerrohr-Museum der Destilerias Aldea bewundern.

Ron Miel
Die wohl bekannteste Rum Marke der Kanaren. Hergestellt aus bestem Rum und heimischen Bienenhonig ist Ron Miel die beliebteste Sorte. Man sagt, Besucher die in kosten, kommen immer wieder auf die Insel.

Ron Aldea Caramelo
Hergestellt mit natürlichem Karamell aus geröstetem Zuckerrohr und traditionellem Rum, wird Karamell Rum besonders zum Dessert empfohlen.

Ron Aldea Single Cane
Ein frischer, heller Rum, der aus besonders selektiertem Zuckerrohr nach altem Rezept destilliert wird.

Ron Maestro
Ein Rum, der 10 lange Jahre in amerikanischen Eichenfässern lagert und dadurch einen fruchtigen Geschmack von Vanille und Zuckerrohr entwickelt. Ein echter Genuss, den Kenner nur pur zu sich nehmen.

 

Leckereien aus Rohrzucker.

Caña de azúcar wird auch zu Zuckerrohrsirup als Grundlage für Süßspeisen gepresst. Zwei dieser Köstlichkeiten, die meist zu Fasching zubereitet werden, möchte ich hier kurz vorstellen.

 

Sopa de Miel.
Hier ist, wie vieles im Karneval, der Name etwas irreführend, denn um eine Suppe handelt es sich nicht. Sie benötigen für diese Leckerei ein Bargett, 250 gr Rohrzuckerhonig, 100 gr. Geröstete Mandeln, eine Messerspitze Zimtpulver, 3 Gramm Anis und etwas Wasser. Die Zubereitung ist einfach.

Schneiden Sie das Brot in Scheiben, und füllen Sie etwas Wasser mit Rohrzuckerhonig und gehackten Mandeln in eine Pfanne. Wenn es zu kochen beginnt, Zimt, Anis und etwas Zitronenabrieb hinzugeben und moderat köcheln bis sich Sirup bildet. Darin wenden sie dann die Brotscheiben, bis sie gut getränkt sind. Abkühlen lassen, mit den Resten von Zimtpulver und Mandeln bestreuen … fertig.

 

Rapaduras
Die süße Nachspeise in Eisform ist eine echte Kalorienbombe. Sie benötigen neben einer Form (man kann diese auch selbst mit Alufolie formen), einen Liter Zuckerrohrsirup, 250 gr. Mandeln, eine Tasse Gofio Mehl und etwas Zimtpulver und Zitronensaft.

In einem Topf karamellisieren sie Rohrzucker mit Zimt und Zitronensaft. In einem zweiten erhitzen sie zerkleinerte Mandeln. Dann schütten sie beide Töpfe zusammen und geben unter ständigem rühren das Gofio dazu. Wenn eine homogene Masse vorhanden ist, wird alles in die Form gegossen und kalt gestellt. Das war es auch schon.

 

Sie sehen, Zuckerrohr hat auch heute noch, trotz Wein und Banane, eine Berechtigung in der Landwirtschaft so wie eine vielseitige Verwendung auf La Palma.

Über Graja (1980 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma.info/autoren-impressum/

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