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Santa Cruz im Kampf mit der Vergangenheit

Gesetzlich verordnete Erinnerung an Franco.
Eine Verordnung des Reichsinnenministeriums sah vor, dass jede Stadt in Deutschland einen Hitlerplatz oder eine Hitlerstraße besitzt. In der dunkelsten Epoche des Landes, gab es rund 300 dieser Namensträger. Diese hat man, im Rahmen der Entnazifizierung, nach 1945 allesamt umbenannt. Auch wenn einige, meist minderbelichtete Gestalten, dies gerne ändern würden, war es für Deutschland sicherlich der richtige Weg.

Auch Spanien hatte mit Franco keine vergleichbare, durchaus jedoch eine dunkle Epoche.
Sie begann 1936, als der nach Teneriffa strafversetzte General, gegen die demokratisch gewählte republikanische Regierung Spaniens putschte. Auf den Kanaren war der Widerstand schnell gebrochen und Franco setzte mit seinen loyalen Truppen aufs Festland über, wo er einen dreijährigen Krieg auslöste. Hunderttausende Menschen liessen im Bürgerkrieg ihr Leben und in der Folgezeit liess der General die Gegner des Franquismus erschießen und in Massengräbern, auch auf den Kanaren, verscharren. Tausende Menschen werden noch heute vermisst und immer wieder anonyme Grabstellen gefunden.

Auch auf La Palma, wo man eines dieser Gräber in Fuencaliente fand, wird dieses Thema nur ungern angegangen. Mit der Zeit wächst allerdings das Interesse und im Jahr 2000 wurde spanienweit damit begonnen, Massengräber zu öffnen. Das größte bisher gefundene Massengrab in „El Carrizal“, enhielt 5.000 Hinrichtungsopfer. Unterstützt werden Angehörige durch die ARMH (Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica) „Vereinigung zur Rückgewinnung des historischen Gedächtnisses.“ Die Organisation kümmert sich um Exhumierung und Neubestattung gefundener Opfer.

Nun wird an zahlreichen Stellen darüber debattiert, wie man mit der Geschichte umgehen soll. Franco aus dem Gedächtnis löschen, Franco-Statuen und Symbole abreissen, namensgebende Straßen und Plätze umbenennen? Bevölkerung, politische Parteien und Gemeinden sind sich nicht einig. Das spanische Parlament hat bereits 2002 die franquistische Diktatur einstimmig verurteilt und im November 2007 das „Ley de Memoria Histórica“ (Gesetz zum historischen Gedenken) erlassen.

Es schreibt die Entfernung von öffentlichen Symbolen und Denkmälern vor, die den Militäraufstand, den Bürgerkrieg und die Unterdückungen während der Diktatur verherrlichen. Einige Parteien kritisieren dieses Gesetz, weil es die spanische Nation spaltet. So hat man zum Beispiel in Santa Cruz de Tenerife den Namen der „Rambla del General Franco“ erst geändert, als man per Gerichtsbeschluss dazu gezwungen wurde.

Als erste Hauptstadt der Kanaren hat Santa Cruz de La Palma damit begonnen, Straßennamen zu ändern, die an Figuren und Ereignisse der Franco-Diktatur erinnern. Abgeschlossen ist das allerdings noch nicht, denn auch hier scheiden sich die Geister über historische Erinnerung. Aktuell streitet man über die Büste am südlichen Ortseingang. Sie wurde als Anerkennung für den Bau der „Avenida Maritima“ erstellt.

franco

Ob das entfernen aller Franco-Spuren eine bessere Nation aus Spanien macht, eine Genugtuung für Hinterbliebene darstellt, oder einfach nur erhaltenswerte, historische Zeugnisse vernichtet, wird auch auf La Palma noch lange Zeit eine Streitfrage bleiben.

 

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Über Graja (2021 Artikel)
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1 Kommentar zu Santa Cruz im Kampf mit der Vergangenheit

  1. Danke für diesen interessanten Beitrag! Das mit den Massengräbern auf den Kanaren habe ich nicht gewusst!

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