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Stromversorgung für Schiffe

Hauptstadthafen rüstet auf.

Wie laut darf ein Hafen sein?
Anwohner in Santa Cruz de La Palma fühlen sich belästigt. Auch in der Marina, dem angegliederten Sportboothafen, beklagen sich Gastlieger über ein zu lautes Umfeld durch permanentes brummen. Denn ob Kreuzfahrt- oder Containerschiffe, Fähre oder Tanker. Wenn Schiffe im Hafen liegen, laufen Motoren weiter, Tag und Nacht.

Schuld ist der gewaltige Energiehunger großer Schiffe.
Klimaanlage, Licht, Kommunikations- und Kühlanlagen, aber auch Unterhaltungselektrik wie Musik oder Fernseher benötigen so viel Strom, dass Bordbatterien ohne Generatoren in wenigen Minuten leer gesaugt wären.

Diese Diesel-Generatoren erzeugen nicht nur Lärm, auch CO2, Stick- und Schwefeloxide, so wie Feinstaub, der Menschen im Umfeld belastet. Auch wenn manche Ozeanriesen in Häfen an Stelle von Schweröl, leichteres Marine-Diesel als Antrieb der Generatoren verwenden, umweltfreundlich geht nicht.

 

Landstromanschluss im Hauptstadt Hafen.

Um Lärm und Abgasbelastung der Anwohner zu eliminieren, wenigstens jedoch zu reduzieren, werden im Hafen von Santa Cruz de La Palma nun Stromanschlüsse für Schiffe installiert. Diese könnten dann alle Aggregate abstellen, ihren Stromhunger an der Dose stillen.

Generell eine gut Idee, aber …
Generell ist Landstrom eine gute, wenn auch keine neue Idee. Weltweit haben bereist einige Häfen wie Göteborg, Los Angeles, Vancouver, Shanghai oder Hamburg Stromanschlüsse für Kreuzfahrt- und Containerschiffe. In allen Häfen kämpft man aber mit Problemen, Hamburg bezweifelt gar, das Landstrom, nicht zuletzt wegen der Kosten, zukunftsträchtig ist.

Zu bewältigende Probleme.

Tidenhub: Das Auf und Ab der Wasserstände muss angeglichen werden. Was an Schwimmstegen von Sportboothäfen einfach ist, dort sind 230V Steckdosen seit langem Standard, ist bei festem Pier eine Herausforderung.

Bordfrequenzen: Das öffentliche Verteilernetz muss an die Frequenz der Bordnetze angeglichen werden. Diese variieren aber, meist zwischen 50 und 60 Hertz.

Kompatibilität: Bordanschlüsse und Ladestation müssen zueinander passen. Hier gibt es International noch keinen einheitlichen Standard, was Reeder noch davon abhält in Stromanschlüsse zu investieren.

Stromgewinnung: Um Emissionen zu verringern, sollte auch der Landstrom umweltfreundlich produziert werden. Nicht wie bei uns mit einem Dieselkraftwerk.

 

Landstromversorgung nimmt Fahrt auf.

Langsam aber sicher verbreiten sich Stromanschlüsse in der Schifffahrt. In einigen amerikanischen Häfen besteht sogar eine Verpflichtung für Kreuzfahrtschiffe den Landstrom zu nutzen. Möglicherweise besser, als auf eine freiwillige Umrüstung von Schiffen der Reeder zu warten. Denn so lange nicht alle Häfen einen einheitlichen Standard haben werden Schiffe in Häfen ausweichen, die ihren Vorstellungen entsprechen.

So sollen zum Beispiel nur zwei Schiffe der Aida Flotte über einen Landstromanschluss verfügen. Allerdings, so ein Bericht der Wirtschaftswoche, sollen alle Neubauten, die bis 2020 vom Stapel laufen, mit entsprechenden Anschlüssen ausgestattet sein.

 

Hat sich die Hafenbehörde verzockt?

Ob, und wann sich diese riesige Investition lohnt, steht in palmerischen Sternen. Es ist anzunehmen, dass sich die Geräuschentwicklung im Hafen nur geringfügig ändert, weil nur wenige große Schiffe über Nacht dort liegen. Das stetige und laute brummen kommt nicht nur von Schiffen. Auch dutzende Lkw mit Kühlanlage summen permanent im Hafen.

Dennoch ein Schritt in die richtige Richtung.
Setzt sich Landstrom in allen Häfen, mit einheitlichen Standards durch, gäbe es gleich drei Gewinner. Weniger Lärm für die Anwohner, Kostenersparnis für Reeder und eine Schonung der Umwelt.

Über Graja (2009 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma.info/autoren-impressum/

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