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Teuflische Feuerfeste auf La Palma

Satan und sein Dämon „Roberto“ errichteten einst die Wand von Los Andenes, so erzählt man sich auf La Palma. Auch wenn der Glaube an Teufel und Hexen heute fast vollständig verschwunden ist, manchmal offenbart die Hölle doch noch etwas Glut auf der Insel – denn Roberto schläft nicht.

Feuerfeste auf La Palma

Der Kampf des Guten gegen das Böse

Im letzten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts, gab es in Santa Cruz de La Palma Prozession, bei denen Männer mit langen Stöcken und Kuhglocken an der Taille durch die Straßen zogen. Dabei umklammerten sie aufgeblasene Tierblasen.

Beschrieben hat die Feierlichkeiten der Zeitzeuge Domingo Hernandez Carmona (1754-1832) in einem Manuskript. Es war eine Darstellung des säkularen Kampfes zwischen Gut und Böse.

Die Kirche sah darin einen Prozess, der die Bindung an Religion löst.
Man erkannte einen Bedeutungsverlust der Religion und musste handeln. Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts wurden diese Prozessionen dann durch Königliche und kirchliche Orden verboten. Diese Verbote könnte man Weitläufig als Ursprung der Feuerfeste auf La Palma deuten, denn die Menschen suchten sich neue Ausdrucksformen für den Kampf mit dem Teufel. Meist in Verbindung mit Bilder des Korpus, Schutzheiligen und Eigenkreationen des Bösen durch Teufelchen Tieren und Feuer.

Aus Aberglaube, der innerhalb der Familie übermittelt wurde, entwickelten sich Traditionen, die heute als groteske Fiestas von höllischer Natur gefeiert werden. Meist geht es um den Kampf zwischen Gut und Böse. Die bekannteste Form dieser Darstellungen auf La Palma ist der “danza de diabolo“ in Tijarafe. Aber auch andere Gemeinden spielen mit dem Feuer.

So auch in Tijarafe, wenn der Teufel mit dem Feuer spielt und mit explodierenden Feuerwerkskörpern durch Menschenmengen läuft.

 

Teufelstanz

Danza del Diabolo.

Wenn in Tijarafe der Teufel mit dem Feuer spielt und mit explodierenden Feuerwerkskörpern durch Menschenmengen läuft, ist der Tanz des Teufels ein Symbol des Kampfes zwischen Diabolo und der Jungfrau von Candelaria als Schutzpatronin des Ortes und ihrem Sieg über das Böse.

Ein Kampf, der sich seit mehr als 90 Jahren immer dann wiederholt, wenn die Virgen de Candelaria in einer feierlichen Prozession von der Kirche zu ihrer Höhle gebracht wird. Denn ist der Höllenfürst besiegt, wendet sich für ein Jahr alles zum Guten.

Ankunft der Jungfrau.

Mündliche Überlieferungen besagen, dass die Schnitzerei der Jungfrau im 16. Jahrhundert nach La Palma kam und nach Puntagorda sollte. Doch es waren Piraten an der Küste unterwegs, so dass man die Jungfrau in einer Höhle des „Barranco de Pino Araujo“ verstecken musste. Nach dem die Piraten weiterzogen, wollte man die Virgen aus dem Versteck hohlen um sie nach Puntagorda zu transportieren. Doch plötzlich war das Gewicht der Schnitzerei so groß, dass man nicht in der Lage war, den Weg fortzusetzen.

Ein Göttliches Zeichen, die Jungfrau wollte in Tijarafe bleiben.
Dieses Verlangen wurde befolgt und so entsprang in der Höhle der Jungfrau eine Quelle. Seither bekämpft die Schutzpatronin der Gemeinde jährlich das Böse.

Entwicklung des Teufels.

Die Personifizierung des Teufels in Tijarafe begann Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich ein Fremder mit roten Haaren und Bart in Tijarafe niederließ. Barbarroja, wie ihn Einheimische nannten, war ein begnadeter Bastler, der Marionetten produzierte. Er fertigte zu Festlichkeiten der Jungfrau eine 3 Meter hohe Figur mit langem schwarzen Gewand. Auf die Schar von Gläubigen, die der Prozesion beiwohnten, muss diese Figur recht beunruhigend gewirkt haben, denn schon im Folgejahr beleuchtete man die Augen des nun diabolo genannten Wesens.

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, so die Untersuchungen des Wissenschaftlers Jose Luis Garcia, erschufen die Einwohner Pedro Brito, Antonio Cruz und Osorio Marti¬n die Figur des feuerspeienden Teufels. Er bestand aus einem Holzrahmen und Sackleinen. Diese Marionette mit menschlichem Aussehen, man nannte sie „Sinforiano“ hatte Leuchtkugeln, die in den Fingern der Hände steckten und einen Brandsatz im Kopf.

Quelle: Lorenzo Franzisco Belin, Folklore Nr. 384

Heute ist der Auftritt des Teufels ein Spektakel, das jährlich mehr als 5.000 Menschen anzieht. TV La Palma überträgt live.

Niemand weiß, wo er auftaucht.
Ist die Zeit gekommen, ist plötzlich eine schwarze Gestalt mit großen roten Augen inmitten der Tanzenden zu sehen. Unter ohrenbetäubendem Lärm und Musik verängstigt er das Publikum sprüht Feuer und Rauch, überzieht den Platz mit Feuerwerk inmitten der Rumbeflügelten, tanzenden Besucher. Jeder Feuerausstoß versengt Hosen, Hemden und Haare, bis der Kopf unter Jubel und Applaus explodiert. Dann verabschiedet sich der Diabolo in einer Wolke aus Rauch und Schießpulver Geruch. Die Virgen de Candelaria hat für ein weiteres Jahr den Teufel vertrieben.

Diabolo als Markenname.

Obwohl der Tijarafero in der Gemeinde Namen wie “Teufels Party“ nicht gerne hört, man besteht auf „Fiestas de la Virgen“ oder „Fiestas de Candelaria“ als Original, wurde der Teufelstanz zum Symbol für Tijarafe. Zahlreiche Produkte, wie zum Beispiel ein palmerisches Bier, tragen gegenwärtig den Namen Diabolo. Auch das Stadtwappen trägt oben rechtes einen Hinweis auf den Kampf zwischen Gut und Böse und den Fall des Teufels.

 

Perro Maldito in Puntallana

Auch hier in Puntallana nimmt der Dialog zwischen Gut und Böse teils theatralische Formen an. Leicht zu beschreiben ist diese noch junge Fiesta nicht, weil sie keinem festen Ritual folgt. Wenn bei San Bartolo der Teufel in Form eines verfluchten Hundes los ist, werden Drehbücher jährlich neu geschrieben.

Eines bleibt jedoch immer gleich. Am Ende siegt der gute Engel. Die Fiesta des verfluchten Hundes finden wir in der Einsiedelei San Bartolo der Ortschaft La Galga in Puntallana.

Dort erzählt man sich die alte Geschichte.
Ein ehrlicher Bauer ging auf sein Feld und bereitete seine Kühe auf die Arbeit vor. Als er sie vorbereitet hatte, stand plötzlich ein schreckliches Tier mit feurigen roten Augen vor ihm. Gelähmt vor Angst lies er sein Vieh los und glaubte, der Teufel erlaube ihm nicht zu arbeiten. Verängstigt lief er zu den Häusern zurück und erzählte von seiner Begegnung. Die Leute dachten sofort an einen vom Teufel verfluchten Hund, flüchteten mit angstvollen Grimassen in ihre Häuser ohne ihr Tageswerk zu verrichten. Noch heute geht man am Vorabend von San Bartolo in La Galga nicht zur Arbeit.

Der Dämonische Hund liegt in La Galga an einer Kette aus Feuer. Nur einige Tage im Jahr lässt ihn der Teufel laufen um Angst und Schrecken zu verbreiten. Er soll die Menschen dazu verführen böses zu tun. Bändigen kann ihn nur „San Bartolo“, denn ihm schreiben alte Schriften Macht über den Teufel zu.

In La Galga besteht der böse Hund aus rotem Stoffkörper mit riesigem Kopf und kräftigen Hörnern.

Die Fiesta des perro maldito.

Alles beginnt bereits am Vorabend, dann ist in La Galga der Teufel los. Jung und Alt spielen sich Streiche. Gerne natürlich bei Familien, die man nicht besonders leiden kann. Da werden Blumentöpfe verstellt oder in der Nachbarschaft Vorgärten verändert. Schließlich ist das Böse von der Kette.

Dann folgt die Nacht des perro maldito.
Der böse Dämon in Form eines in schwarz-rot gekleideten Engel, schwingt sich auf ein Dach und wendet sich an die Öffentlichkeit, um mitzuteilen, dass er Chaos stiften werde. Dann tritt der gute Engel in Dialog mit dem Bösen. Weiß gekleidet und geflügelt unterbricht er die furchterregende Rede des Bösen, läutet die Glocken und entlarvt den bösen Hund. Dieser rennt, begleitet von ohrenbetäubendem Rhythmus einer Batucada-Gruppe, durch Gassen und Menschenmenge, streift durch Häuser, dagegen soll Knoblauch helfen, und erschreckt Kinder, die er auffordert ein wildes Fiesta-Leben ohne Arbeit zu führen.

Doch die Bewohner sind davon überzeugt, dass San Bartolo sie schützen wird, und so liegt der perro maldito, selbstverständlich erst nach einem Feuerwerk, bald wieder für ein Jahr an der Kette aus Feuer.

 

Fiesta de los Dolores

Ein noch recht junges Spektakel ist der seit 1979 bei der Fiesta de los Dolores in Villa de Mazo auftretende „Borrachito Fogatero“ was man mit Betrunkenem Feuerwerker übersetzen könnte. Wichtigstes Element der Fiesta ist jedoch die Jungfrau der Schmerzen, zu deren Ankunft es natürlich auch eine Geschichte gibt.

Virgen de los Dolores.

Das Abbild der Jungfrau der 7 Schmerzen, diese beziehen sich auf die sieben Episoden des Lebens Jesu Christi, kam auf einer abenteuerlichen Reise aus Mexiko nach La Palma. Schon bei der Überfahrt vollbrachte die Virgen de los Dolores ein Wunder.

Als 1774 das Schiff im Hafen von Veracruz das mexikanische Festland verließ, war raue See. Es folgte ein schwerer Sturm, so dass die Crew um ihr Leben fürchtete. Der Kapitän war hilflos und in großer Angst. Dann erinnerte er sich an seine Ladung, unter der sich tief unten im Frachtraum auch die „Virgen de los Dolores“ befand. Er lies sie aus dem Laderaum nach oben bringen, um die Jungfrau in der Achterkabine aufzustellen.

Dort flehte er die Virgen de los Dolores um Unterstützung und Fürsprache an, um Schiff und Besatzung zu retten. Sofort legte sich der Sturm und das Schiff konnte nach La Palma segeln, wo es im Juli in Santa Cruz de La Palma anlegte. So konnte im September das erste Fest zu Ehren der Jungfrau in der Kapelle Lodero stattfinden.

Tanz des betrunkenen Feuerwerker.

Menschen tanzen zu Ehren der Virgen ausgelassen auf der Plaza Doctor Esteban Perez Garci¬a zwischen Kapelle und Live Bühne, inmitten einiger Puppen mit übergroßen Köpfen, sie stellen die Riesin Lady von Lodero dar. Getanzt wird bis nach Mitternacht der Höhepunkt des Abends erscheint, der Borrachito Fogatero.

Nicht ohne Vorankündigung. Ein Orchester stimmt die Ankunft musikalisch an, das feiernde Volk grölt den Refrain mit.

„Oh, der Betrunkene kommt.
Oh, er wird herauskommen.
Oh, der Siringa kommt.
Schau, es ist schon da.“

Dann kommt Galionsfigur der Nacht ganz plötzlich aus der Dunkelheit. Montiert auf einem Weinfass, versprüht die Gestalt Feuer, Flamen und Funken unter die tanzende Bevölkerung um das Böse auszutreiben.

 

Hier eine live Übertragung von TV La Palma

 

Das Festprogramm mit traditioneller Musik, Sportwettbewerben und natürlich Feuerwerk, dauert 3 Tage. Durchgeführt wird das Feuerspektakel übrigens von einer professionellen pyrotechnischen Firma.

 


Information zu diesen Berichten:
Die drei Artikel stammt aus dem Jahr 2017/2018 und wurde durch einen Angriff auf die Webseite gelöscht. Texte konnten wir weitgehend rekonstruieren. Bild- Dokumentationen und Foto – Strecken zu diesem Bericht sind im Original nicht mehr vorhanden und wurden zum Teil ersetzt.

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Über Graja (1916 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: https://la-palma.info/autoren-impressum/

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