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Windmühlen auf La Palma

Getreidemühlen eine palmerische Erfindung.

Windmühlen bestimmen das Landschaftsbild auf dem spanischen Festland, den Balearen und den kanarischen Inseln. Die Leistungsfähigsten stammen aus La Palma.

Alles begann im 16. Jahrhundert mit dem Privileg, zum Handel mit Amerika. Damit entwickelte sich die Insel zum wichtigsten Hafen des spanischen Reichs. Europäische Kaufleute, Handwerker, Wein- und Ackerbauern wurden auf die Insel gerufen, um Kapital und Arbeitskraft zu stellen. So bevölkerten kluge Köpfe und schlaue Kaufleute die Kornkammer der Kanaren.

Damit rannte die Entwicklung. La Palma hatte als erste Insel der Kanaren elektrischen Strom. Auch beim Telefon war die Insel an erster Verbindungsfront.

 

Das Volk muss Essen.

Zuckerrohr, Tabak, Bananen, Getreide, die Insel versorgte den Rest der Kanaren mit Lebensmittel. Das Wichtigste, Gofio, ein Lebensmittel der Armen und einfachen Leute. Um es zu Mehl zu verarbeiten, muss das Getreide gemahlen werden. In dieser Zeit eine schweißtreibende Arbeit, denn Getreidemühlen waren Anfang des 19. Jahrhundert auf den Kanaren nicht besonders effektiv.

Die primitiven Windmühlen des Archipels, auch Pajeros genannt, wir kennen sie alle durch Miguel de Cervantes und Don Quijote, bestanden aus einem starren Turm. Vier rotierende Flügel, bespannt mit Leinen, drehten die Mühlsteine. Sofern der Wind aus der richtigen Richtung kam.

 

 

Molinas de Ortega.

Dies änderte sich, mit einer Erfindung des Schlossers und Zimmermann „Isidoro Sanchez Ortega“, der von 1843 bis 1913 auf La Palma lebte. Der Autodidakt entwickelte eine Mehlwindmühle, die sich über die Kanaren, später auch auf dem spanischen Festland verbreitete.

Das Ortega System katapultiert La Palma wieder an die technologische Spitze der Kanaren. Die erste Inbetriebnahme des Archetyps war eine absolute Innovation neuartiger Windmühlen. Sie wurde 1868 in Villa de Mazo gebaut. Allerdings gibt es keine biographischen Daten, die eine Vaterschaft bestätigen. Die Ingenieure des Ortes, Antonio Luis und Jose Rodriguez beanspruchten die Erfindung für sich, hatten aber keinen Erfolg.

Wirtschaftliche Vorteile der Konstruktion.
Die Erfindung bestand aus 3 unterschiedlichen Teilen. Dem Haus, dem Turm und dem Rotor. Die Mühle konnte schnell gebaut werden, hatte durch Verwendung lokaler Materialien geringere Kosten und ein Schwenkmechanismus ermöglichte es, sich an die Windrichtung anzupassen.

 

Die Mühlen von La Palma.

Nachdem der Prototyp einer Molina Ortega in Villa de Mazo gebaut wurde, verlegte man die Mühle nach Fuencaliente, wo sie noch immer, in perfektem Zustand, im Besitz der Familie Isidoro Ortega ist.

Heute sind noch 14 Standorte von Ortegamühlen in den Gemeinden Fuencaliente, Breña Alta, Garafía, Puntagorda und Puntallana bekannt, an denen noch Mühlen, oder deren Überreste stehen.

Molina Romero
Die Mühle von La Sabina wurde von Auswanderern, die aus Kuba zurückkehrten errichtet. Heute sind nur noch einige Maschinenteile erhalten, der Rest wir als Familienkellerei benutzt.

Molino Malpais de Abajo.
Von der im neunzehnten Jahrhundert von Jose Yanes Gonzales erbauten Mühle, stehen nur noch unwesentliche Überreste.

Molino de Tigalate.
Die Mühle des Mateo Yanes wurde 1929 von Bischof Reay Abino Menendez besucht und galt als bester Standort der Insel. Heute sind nur noch Teile des Skeletts erhalten. Man sagt, dass die Substanz so gut ist, dass man die Mühle sanieren könnte. Heute gehört sie zur Keramikwerkstatt El Molino. Man stellt dort Keramikarbeiten der Ureinwohner her.

Molino Tirmage.
In Malpais de Arriba stehen noch einige Elemente des Turms. Der Rest ist wohl für immer Verschwunden.

Molina Marcelino Ortega.
Es soll eine der drei Prototypen der Ortega Mühlen sein. In der Nähe von Los Canarios wurde sie von den Söhnen des Isidoro Ortega mit einer Bäckerei aufgebaut. Nun gibt es nur noch einige Überreste.

Molino de Miranda.
Die Mühle in Brena Alta, sie wird auch Cuatro Caminos genannt, wurde als eine der ersten Ortegamühlen von Manuel Cabezola in Buenavista erbaut. Sie wurde 1929 von einem verheerenden Sturm zerstört und 1933 von Juan Hernandez Morera wieder aufgebaut. Die Mühle ist in gutem Zustand und das Cabildo de La Palma hat mit einer Restaurierung, die noch nicht abgeschlossen ist, begonnen. Die Mühle ist Namensgeber des Gebiet von El Molino.

Die Rosendo Mühle.
Bekannt als Molino de Santa Lucia liegt sie stark beschädigt bei El Masapes in Puntallana.

Molino de Caceres.
Die Mühle von Guillermo Caceres in Barlovento ist restlos zerstört. Eine zweite, die Molino de Garcia, steht in Prominenter Lage und könnte noch restauriert werden.

Molino de Llano Negro.
1907 erbaut, wurde die Mühle von Nachkommen des Esteban Perez Gonzalez noch bis 1974 betrieben. Sie liegt still, ist aber noch recht gut erhalten.

Molino de Marcelino.
Um 1892 in Santo Domingo erbaut, ist diese Mühle bis heute sehr gut erhalten und war 1979 Gegenstand in einem Dokumentarfilm von Robert Rodriguez.

Molino de Arriba.
Die einst größte Mühle der Insel, sie steht ebenfalls in Santo Domingo de Garafia, Hatte einmal 16 Flügel, zwei Mahlsteine und einen Backofen. Nun sind nur noch einige Überreste des Gebäudes erhalten.

Molino del Clavario.
Auch diese Mühle steht in Garafia, wurde bis in die 1960er Jahre betrieben und ist nun im Besitz der Firma Hermanos Castro. Sie ist in schlechtem Zustand, aber in allen Teilen erhalten.

Molino de las Tricias.
Erbaut von Zimmermann Antonio Acosta Rodríguez, wurde sie bis 1953 betrieben. Nun ist sie renoviert und dient dem Verkauf von Kunsthandwerk und als Interpretationszentrum für Gofomühlen. Geöffnet ist sie von Montag bis Samstag 10 bis 18 Uhr, an Sonntagen bis 16 Uhr. Der Eintritt ist für Kinder kostenlos, Erwachsene zahlen 2,50 Euro.

Molino de la Montaña de Miraflores.
Sie galt einst als eleganteste Mühle auf La Palma. Heute stehen nur noch die Fundamente des Gebäudes.

Molino del camino de los Morritos.
Eine besondere Mühle bei El Pinar, weil nur ein Stamm, an Stelle von üblichen vier Säulen das Konstrukt hält. Sie ist in perfektem Erhaltungszustand und Eigentum der Künstler Jorge Lozano Vandewalle und Loló Fernández.

 

Alte Bauwerke erhalten.

Leider sind die meisten Mühlenhäuser auf La Palma in einem schlechten, bis ruinösen Zustand. Viele ganz verschwunden. Auch auf anderen Inseln ist das so. Eine Renovierung wäre teuer, teilweise gar nicht mehr möglich.

Für private Besitzer nicht interessant. Auch Mühlen in Gemeindebesitz könnten nicht rentabel arbeiten. Schön wäre es aber, einige dieser Gebäude als Kulturgut zu sanieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Einige Ansätze gibt es bereits. Welcher Aufwand dafür betrieben werden muss, sehen sie hier am Beispiel Garafia.

Quellen:
Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes
Manuel Poggio Capote und Antonio Lorenzo Tena in Folklore Nr. 402
Gemeinde Villa de Garafia

Über Graja (1991 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma.info/autoren-impressum/

1 Kommentar zu Windmühlen auf La Palma

  1. Heriberto // 10/02/2018 um 10:46 // Antworten

    … das Getreide muss zuerst geröstet werden um es zu Mehl zu verarbeiten.

    Nicht zu vergessen der palmerische Zurron. Ein von Zicklein gewonnenes Fell um darin den Gofio zu verarbeiten. Leider nur noch in wenigen Rest. zu sehen, da die Sanidad es nicht meher zulässt. Im ländlichen Haushalten aber immer noch in Gebrauch ist.

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